Was ist Geriatrie?

Zentrum für Altersmedizin der ACURA Kliniken Albstadt


Geriatrie ist der medizinische Fachbegriff für das deutsche Wort Altersmedizin. Die Spezialisierung auf Erkrankungen im Alter und die Behandlung in einer speziellen Abteilung ist sinnvoll, weil ältere Menschen häufig unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden, oft verbunden mit altersbedingten Verschleißerscheinungen. Besonders ältere Menschen müssen daher nach ganzheitlich orientierten Richtlinien behandelt werden. In Baden-Württemberg gibt es deshalb ein Geriatriekonzept, dass die Einrichtung spezieller geriatrischer Abteilungen – wie das Zentrum für Altersmedizin der ACURA Kliniken Albstadt – vorsieht.

Geriatrische Medizin macht sich nicht ausschließlich am Alter des Patienten fest. Geriatrische Patienten sind meist sehr gebrechlich und leiden unter Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität).

Patienten werden daher zu einem geriatrischen Patienten, wenn durch mehrere gleichzeitig auftretende Erkrankungen und altersbedingte körperlich/geistige Veränderungen Behinderungen entstehen, durch die er seinen Alltag nicht mehr selbständig bewältigen kann. Das ist bei älteren Menschen häufig nach der Behandlung einer akuten Erkrankung der Fall. Hier setzt die geriatrische Rehabilitation ein, mit dem Ziel Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

Indikation sind beispielsweise:

  • Zumeist nach einer primären Krankenhausbehandlung
  • Operative versorgte Frakturen und Gelenkschäden
  • Neurologische Erkrankungen
  • Sonstige schwere Operationen oder stationäre Erkrankungen

Voraussetzungen für die Aufnahme in die geriatrische Rehabilitation sind:

  • Der Patient ist rehabilitationsbedürftig
  • Der Patient ist rehabilitationsfähig
  • Der Patient ist rehabilitationswillig

Im Rahmen der geriatrischen Rehabilitation wird nicht nur das Krankheitsbild behandelt, sondern gleichzeitig immer auch körperliche Beeinträchtigung und das soziale Umfeld des Patienten betrachtet. Ziel ist es krankheits- und altersbedingte Einschränkungen oder Behinderungen soweit zu beheben, dass die Patienten nach der Rehabilitation wieder so selbständig wie möglich leben kann. Die geriatrische Rehabilitation dauert in der Regel etwa drei Wochen.

In unserer Abteilung für geriatrische Rehabilitation werden die Patienten von einem interdisziplinären therapeutischen Team betreut.

Hierzu gehören:

  • Fachärzte für Innere Medizin
  • Fachärzte für Orthopädie und rehabilitative Medizin
  • Pflegekräfte; mit Fachweiterbildung
  • Psychologen
  • Sozialarbeiter
  • Logopäden
  • Ergotherapeuten
  • Physiotherapeuten
  • Ernährungsberater

Medizinische Schwerpunkte

Zugangswege Zentrum für Altersmedizin

Kostenträger

Als Kostenträger kommen im Regelfall die gesetzlichen sowie die privaten Krankenversicherungen in Frage. Eine geriatrische Rehabilitation ist auch als Selbstzahler-Leistung möglich.

Die gesetzliche Zuzahlung an die Krankenkasse beträgt 10,00 EUR täglich (§39 Abs. 4 SGB) bei stationärer geriatrischen Reha; begrenzt auf maximal 28 Tage im Kalenderjahr. Beim Rentenversicherungsträger ist bei einem stationären Reha-Aufenthalt eine tägliche Zuzahlung in derselben Höhe erforderlich.

Antragsverfahren

Der Antrag auf eine Geriatrische Rehabilitation wird vor Beginn der Maßnahme durch den Krankenhausarzt bzw. dem Sozialdienst der einweisenden Klinik oder durch den betreuenden Hausarzt/Facharzt mit einer ärztlichen Begründung gestellt. Die Anträge sind an die zuständige Krankenkasse zu stellen und gleichzeitig an uns als Rehabilitationseinrichtung zu übermitteln. Antragsformulare sind beim zuständigen Kostenträger erhältlich. Patienten können eine zugelassene und zertifizierte Reha-Einrichtung wie die ACURA Kliniken Albstadt selbst wählen.

Die Koordination der Aufnahme erfolgt im Dialog mit unseren Reha-Ärzten und unserem Patientenmanagement.

Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) prüft gegebenenfalls, ob die Voraussetzungen für eine Geriatrische Rehabilitation erfüllt sind.

Ausschlusskriterien für die Geriatrische Rehabilitation sind u.a.

  • Fehlende Zustimmung des Patienten zur Rehabilitation
  • Begleiterkrankungen oder Symptome, die eine aktive Teilnahme an der Rehamaßnahme verhindern, wie z.B. Desorientiertheit, Weglauftendenz, schwere psychische Störung wie Depression oder akute Wahnsymptomatik.

Bei älteren Menschen reicht es meist nicht aus, eine akute Erkrankung allein zu behandeln. Meist müssen Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Zuckerkrankheit oder Atemwegserkrankungen mit berücksichtigt werden. Verschleiß an den Gelenken, Hör- und Sehstörungen und manchmal auch Orientierungsbeeinträchtigungen kommen hinzu. Viele ältere Menschen sind zudem nicht mehr sehr sicher auf den Beinen. Die Geriatrie oder Altersmedizin berücksichtigt all diese Faktoren bei der umfassenden Behandlung.

Schlaganfall

Besondere Kompetenz hat unser geriatrisches Team in der Rehabilitation älterer Menschen aufgebaut, die einen Schlaganfall erlitten haben. 25 bis 30 Prozent der jährlich rund 600 hier behandelten Patienten kommen nach einem Schlaganfall in die Abteilung für geriatrische Rehabilitation. Die Abteilung arbeitet dazu eng mit der Stroke Unit des Krankenhauses Albstadt sowie mit den Schlaganfalleinheiten der umliegenden Akutkliniken zusammen.

In der Akutphase nach einem Schlaganfall werden die Patienten zunächst einige Tage auf der Stroke Unit und dann auf einer Pflegestation der Akutklinik behandelt. Nach etwa 14 Tagen werden viele geriatrische Patienten dann zur Weiterbehandlung in unsere geriatrische Rehabilitation überwiesen.

Nach der Verlegung werden bei uns die in der Akutklinik begonnenen Maßnahmen zur Frührehabilitation der Patienten fortgeführt und intensiviert. Die Patienten können unter Lähmungen, Sprachstörungen, Konzentrations-, Aufmerksamkeits-, Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen leiden. Ziel der geriatrischen Rehabilitation ist es bei diesen Patienten, eine größtmögliche körperliche und geistige Unabhängigkeit zu erreichen und verlorene Fähigkeit wiederherzustellen oder zu kompensieren. Für die Zeit nach der Rehabilitation wird ein Langzeit-Therapieplan aufgestellt sowie die weitere Versorgung geplant und eingeleitet.

Implantierter Gelenkersatz und Knochenbrüche

Häufig führen die Folgen von durch Stürze oder vor allem bei Frauen durch Osteoporose ausgelösten Knochenbrüchen bei älteren Menschen zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und nicht selten zu Pflegebedürftigkeit. Zudem kommen ältere Menschen auch nach der Implantation eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenkes oft nicht so schnell wieder auf die Beine. Auch hier bietet unsere Abteilung für geriatrische Rehabilitation ein umfassendes Programm, um den älteren Patienten ihre Selbständigkeit zurückzugeben.

Von einer Behandlung in der geriatrischen Rehabilitation nach Knochenbrüchen oder einem Gelenkersatz profitieren in erster Linie geriatrische Patienten. Die allgemeine orthopädische Rehabilitation kommt in erster Linie jüngeren Menschen zu Gute. Bei der Rehabilitation der geriatrischen Patienten stehen nicht geistige, sondern Bewegungs-Defizite im Vordergrund. Es kommt hier darauf an, beispielsweise Sturzmechanismen zu analysieren. Mit der Behandlung von Begleiterkrankungen, aber auch durch organisatorische Maßnahmen im häuslichen Umfeld werden die Risiken eines erneuten Sturzes verringert. Aktivierende Krankenpflege und Physiotherapie sorgen dafür, dass die Patienten ihre Aktivitäten des täglichen Lebens möglichst schmerzfrei und funktionsgerecht wiedererlangen.

Nach einer Tumorbehandlung

Auch ältere Patienten, die wegen eines Tumors operiert wurden oder deren Tumor mit einer Chemo- oder Strahlentherapie behandelt wurden, profitieren von einer anschließenden geriatrischen Rehabilitation bei uns. Auch hier ist für die optimale Behandlung älterer Patienten altersmedizinisches Fachwissen für den Therapieerfolg wichtig. So beschäftigt sich das medizinische Teilgebiet der geriatrischen Onkologie mit dem unterschiedlichen Tumorverhalten bei älteren Menschen.

In der Abteilung für geriatrische Rehabilitation bieten wir deshalb auch die onkologische Nachsorge an.

Nach schweren operativen Eingriffen und längeren Krankenhausaufenthalten

Auch nach großen Operationen, die mit langen Aufenthalten auf der Intensivstation oder in der Akutklinik überhaupt verbunden sind, profitieren ältere Patienten von einer anschließenden Behandlung in der Abteilung für geriatrische Rehabilitation. Vor allem nach langen Liegezeiten haben sich die Muskeln der Patienten oft zurück gebildet.

Hier ist es Aufgabe unseres therapeutischen Teams der geriatrischen Rehabilitation gemeinsam mit den Patienten die verlorenen Muskelkräfte wiederherzustellen. Die Patienten sollten die während der Rehabilitation erlernten Übungen zu Hause fortführen, um den Therapieerfolg zu sichern und weiter auszubauen.

Dass sich der gemeinsame Einsatz von Therapeutenteam und Patienten auch bei schwer körperlich beeinträchtigten älteren Patienten lohnt, beweisen immer wieder praktische Beispiele.

Nach Amputationen

Leider kommt es hin und wieder vor, dass bei schwerer Erkrankung eine Amputation erfolgen muss. Mangelhafte Blutversorgung, vor allem der Beine, die sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit, ist bei älteren Patienten die häufigste Ursache für eine Amputation der unteren Extremitäten. Nach der Akutbehandlung ist es dann Aufgabe der geriatrischen Rehabilitation, zusammen mit den Patienten die aus der Amputation resultierenden Behinderungen zu kompensieren. Hierzu gehören beispielsweise auch die Anpassung und der Umgang mit Gliedmaßenprothesen.

Parallel dazu müssen in der Rehabilitation dieser Patienten auch Behandlungsprozesse an Herzkranzgefäßen und das Gehirn versorgenden Arterien berücksichtigt werden. Deshalb ist eine intensive ärztliche Beobachtung der Patienten wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation.

In der Klinik

Eine akute Krankheit oder ein längerer Krankenhausaufenthalt können dazu führen, dass ältere Menschen anschließend ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen können.
Gerade für ältere Menschen ist deshalb eine speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Rehabilitation sinnvoll, die ganzheitlich alle Facetten der Erkrankung einschließt. Ziel der geriatrischen Rehabilitation bei uns in den ACURA Kliniken Albstadt sind es, krankheits- oder altersbedingte Einschränkungen oder Behinderungen soweit zu beheben, dass der ältere Mensch nach der Rehabilitation wieder so selbstständig wie möglich leben kann.

Hilfsmöglichkeiten ermitteln

Die Diagnostik im Rahmen einer geriatrischen Rehabilitation geht weit über die medizinische Befunderhebung hinaus. Wie die Behandlung ist auch die Diagnostik ganzheitlich und umfasst neben den Erkrankungen vor allem auch die Ermittlung der Fähigkeiten und Einschränkungen des Patienten sowie der Besonderheiten seines häuslichen und sozialen Umfeldes. Diese spezielle Form der ganzheitlichen Befunderhebung mit einem älteren Patienten wird als geriatrisches Assessment bezeichnet.

Mit dem geriatrischen Assessment dokumentiert das Therapeutenteam die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Patienten zu Beginn der geriatrischen Rehabilitation. Zum Ende der Behandlung wird mit einem erneuten geriatrischen Assessment der Therapieerfolg überprüft. Außerdem werden der Patient und seine Angehörigen beraten über möglicherweise weiterhin nötige Hilfeleistungen für den Patienten.

Beim geriatrischen Assessment arbeiten die Therapeuten der Abteilung für geriatrische Rehabilitation mit speziellen Test- und Untersuchungsverfahren:

  • Neben dem allgemeinen Krankheitsbefund werden mit einer Befragung des Patienten und eventuell seiner Angehörigen wesentliche altersbedingte Einschränkungen ermittelt.
  • Im Rahmen einer Sozialanamnese werden Wohn- und Lebensverhältnisse untersucht und vorhandene Hilfen und Hilfsmittel erfragt.
  • Mit speziellen Testverfahren werden die sogenannten Aktivitäten des täglichen Lebens ermittelt. Geprüft wird dabei, was der Patient noch selbständig tut.
  • Ermittelt werden ferner die geistige Leistungsfähigkeit und eine möglicherweise bestehende Depression.
  • Ein spezieller Test schätzt das Sturzrisiko des Patienten ein.

Nach Abschluss der Test schätzen das therapeutische Team das Rehabilitationspotential und die Leistungsreserven des Patienten ein. Anschließend kann die gezielte Behandlung beginnen. Maxime ist dabei, dass der Patient ständig gefordert, aber nicht überfordert wird.

Aktivierende Pflege

Aufgabe der Pflegekräfte in der Abteilung für geriatrische Rehabilitation ist es vor allem die Patienten zu selbständigem Handeln anzuregen. Die Pflege orientiert sich daher vor allem an den noch vorhandenen Ressourcen der Patienten. Sie ist aktivierend, ganzheitlich und überträgt dem Patienten Verantwortung für seine Rehabilitation.

Im Rahmen der aktivierenden Pflege führen die Pflegekräfte mit den Patienten beispielsweise durch:

  • Anziehtraining
  • Waschtraining
  • Essenstraining
  • Gehschule
  • Kontinenztraining
  • Wundmanagement
  • Sturzprophylaxe

Außerdem leiten die Pflegekräfte auch pflegende Angehörige in speziellen pflegerischen Maßnahmen für die Zeit nach der Rehabilitationsbehandlung an.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • Sondenernährung
  • Harnblasenkatheterpflege
  • Lagerungstechniken
  • Vorbeugung gegen Druckgeschwüre (Dekubitusprophylaxe)
  • Bett/Rollstuhltransfer

In Kooperation mit ambulanten Pflegediensten oder Pflegeheimen organisiert der Pflegedienst in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst der ACURA Kliniken Albstadt außerdem die Pflegeüberleitung nach der geriatrischen Rehabilitation. Dazu kommen Pflegekräfte der Pflegedienste oder des Pflegeheimes meist zu einem Erstkontakt in die Klinik.

Therapeutische Leistungen

Im Mittelpunkt steht die Einschätzung (Assessment) zur Situation des Patienten durch ein Team aus verschiedenen Fachrichtungen. Die geriatrische Rehabilitation kann je nach Bedarf folgende Maßnahmen umfassen.

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